Warum Neugierde wichtiger als Intelligenz ist – und wie sie dich weiterbringt

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig”, soll Albert Einstein gesagt haben. Wie originell, denken sich Studierende weltweit. Ein Genie, das das eigene Genie nicht einsieht.
Doch auch wenn Neugierde allein nicht für bahnbrechende Erfindungen, Entdeckungen und Ereignisse verantwortlich ist – sie ist eine der Eigenschaften, die erfolgreiche Personen aus den unterschiedlichsten Disziplinen gemeinsam haben.

Welche Rolle spielt Neugierde für akademischen Erfolg?

Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2011 bezeichnete ein Forscherteam der University of Edinburgh Neugierde als „Hunger nach Erforschung”. Sie wollten herausfinden, ob Neugierde neben Intelligenz und Gewissenhaftigkeit ein weiterer Faktor für akademischen Erfolg sei. Mit einer Meta-Analyse, in der sie Daten aus mehr als 200 Studien und mehr als 50.000 Studierenden untersuchten, kamen sie zu dem Schluss, dass Neugierde einen Einfluss auf die akademische Performance hat. Und zwar einen genauso großen wie Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. Eine Kombination aus Neugierde und Pflichtbewusstsein hat, der Studie zufolge, sogar einen genauso großen Effekt auf die Performance wie Intelligenz.

Wie beeinflusst Neugierde das Gehirn und Gedächtnis?

Und auch neurologische Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Matthias J. Gruber und Bernard D. Gelman kamen in ihrem 2014 veröffentlichten Artikel „States of Curiosity Modulate Hippocampus-Dependent Learning via the Dopaminergic Circuit” unter anderem zu folgenden Schlüssen:

Menschen können sich Informationen, die Neugierde in ihnen auslösen, besser merken

Viele Fußballfans merken sich Namen, Transfersummen oder Spielstände von vor 20 Jahren ohne Probleme – wenn es dann aber um historische Daten außerhalb der Bundesliga geht, scheint ihr Gedächtnis zu versagen. Diese Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen der Studie: Sobald die Teilnehmer Neugierde empfanden, wurden erhöhte Aktivitäten im Hippocampus (die Gehirnregion, in der Erinnerungen gespeichert werden) gemessen.

Neugierde bereitet das Gehirn aufs Lernen vor

Dass man sich Informationen, für die man brennt, besser merkt, überrascht nicht. Aber die Studie hat auch ergeben, dass Neugierde uns dabei hilft, Informationen zu behalten, die wir eigentlich nicht besonders spannend finden. Einem der Co-Autoren der Studie zufolge, versetzt Neugierde das Gehirn in einen Zustand, in dem es Informationen jeglicher Art aufsaugt – und auch besser behält.

Neugierde macht Lernen zum Erfolgserlebnis

Neugierde macht das Gehirn nicht nur zu einem Schwamm, der Wissen aufsaugt, sondern führt auch dazu, dass mehr Dopamin ausgeschüttet wird. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der auch als Glückshormon bekannt wird. Wer neugierig ist, hat also auch mehr Spaß am Lernen.

Um effizienter zu lernen, ist Neugierde absolut notwendig.
Aber wie kann man neugieriger werden? Hier sind 4 Tipps, mit denen du neugierig bleibst oder wirst und den Albert Einstein in dir weckst:

1. Was wäre wenn …

Egal, wie unrealistisch sie sind: Lass Gedankenexperimente zu, erlaub dir mehr Zeit für Tagträume. Diese können dich inspirieren und dir zu neuen Einsichten verhelfen.
Netflix-Tipp: Trigger Warning with Killer Mike. Der US-Rapper fragt sich was wäre wenn – und setzt diese Gedankenexperimente dann auch gleich in die Tat um. Höchst unterhaltsam und inspirierend!

2. Erweitere deinen Horizont …

Du studierst BWL? Deine Freunde studieren BWL? Die meisten von uns bewegen sich in einer sozialen Blase. Das ist per se nicht schlimm, hilft dir aber nicht unbedingt, neugieriger zu werden. Lies Bücher, die absolut nichts mit deinem Studiengang zu tun haben, mach, wenn du Zeit hast, einen Kurs, für den du dir keine Leistungspunkte anrechnen kannst oder diskutiere mit Freunden, die einen anderen Background oder andere Interessen haben.
Damit entdeckst du neue Perspektiven, lernst Neues und eröffnest dir vielleicht völlig neue Möglichkeiten.

3. Schaff dir eine neue Routine

Du hast eine Routine, die für dich gut funktioniert? Gut und gerne weiter so! Aber: Hinterfrage deine Routinen und vor allem dich selbst immer. Wer immer den gleichen Weg geht, wird wahrscheinlich seltener Neues entdecken. Wer neue Dinge ausprobiert, lernt ständig dazu.

4. Wieso? Weshalb? Warum?

Es gibt keine dummen Fragen, ist eine dieser Aussagen, die mittlerweile mehr Klischee als Wahrheit sind. Denn, let’s face it, es gibt Fragen, die nicht sonderlich intelligent sind. Aber: Sie zu stellen, macht einen längst nicht dumm. Denn gerade Fragen, die man vielleicht als absolut Basic wahrnimmt, können interessante Diskussionen entfachen und einen dazu bringen, Annahmen zu hinterfragen. Also: Frag, bohr nach, bleib am Ball!

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